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Badische Zeitung, 28. Juni 2007
Der Student Patrick Augenstein hat seine Examensarbeit über Wagenburgen geschrieben mit dem Ziel, die Debatte zu versachlichen
Von unserer Mitarbeiterin Beate Beule
Im vergangenen Jahr kochten die Emotionen hoch, als die Wagenburggruppe "Schattenparker" lauthals forderte, ihre alternative Wohnform ausleben zu dürfen. Auch Patrick Augenstein hat damals die Debatten verfolgt — und diese zum Anlass genommen, seine Examensarbeit über die Thematik zu schreiben. "Ich wollte dazu beitragen, die Debatte zu versachlichen" , sagt der 27-jährige Student der Geographie, Philosophie und Anglistik.
Inzwischen haben sich die Gemüter beruhigt. Die "Schattenparker" haben zwei Plätze im Industriegebiet Nord bezogen, aus den Zeitungen ist die Thematik längst verschwunden. "Typisch" , sagt Patrick Augenstein, der für seine Arbeit mehr als 100 Zeitungsartikel aus der Badischen Zeitung und aus überregionalen Medien ausgewertet hat. Wenn über Wagenburgler berichtet werde, dann meistens nur, wenn es Konflikte und Auseinandersetzungen gebe. Alternativ zeichneten die Journalisten gerne ein übertriebenes Bild von den "romantischen, naturverliebten Exoten" : "Beides entspricht nicht der Realität."
In monatelangen Recherchen hat Patrick Augenstein sich ein eigenes Bild über das Leben im Wagen verschafft. Er hat mit Wagenbewohnern der verschiedenen Freiburger Gruppierungen lange Gespräche geführt, um herauszufinden, was diese an ihrer Wohnform schätzen. "Den typischen Wagenburgler gibt es nicht" , sagt Patrick Augenstein. "Die Bandbreite der Menschen ist fast so groß wie im normalen Leben." Die einen lebten aus ökologischen Gründen nicht in einer Wohnung, andere aus sozialen, wieder andere aus politischen Gründen.
"Wenn die Wohnform insgesamt akzeptierter wäre, würden viel mehr Menschen im Bauwagen leben" , ist Patrick Augenstein überzeugt. Er hat für seine Arbeit Freiburger Bürger aus allen Stadtteilen nach ihrer Meinung zum Wagenburgleben befragt. Mehr als die Hälfte stand diesem positiv gegenüber, rund ein Drittel könnte sich sogar vorstellen, zumindest probeweise auch einmal in einem Wagen zu leben. "Das hat mich sehr erstaunt" , sagt Patrick Augenstein — der selbst noch nie in einem Bauwagen gelebt hat und dies auch nicht tun möchte. Insgesamt gingen die Meinungen über Wagenburgen aber weit auseinander. Sie reichten von "unkonventionelle Wohnform, auf die jeder ein Recht haben sollte" , bis hin zu "Niederlassung anarchistischer Schmarotzer" .
Gerhard Meier, Chef des Amts für Liegenschaften und Wohnungswesen, vergleicht in seinem Gespräch mit Patrick Augenstein die Wagenburgler mit Urzeitmenschen : "Man muss wirklich fast neandertalmäßig leben wollen." Mit seinen Vorstellungen von Hygiene sei ein Wagenburgleben nicht vereinbar. Ganz abgesehen von persönlichen Vorlieben : In den Aussagen der Vertreter der Stadtverwaltung wird deutlich, warum die Wagenburgproblematik keine einfache ist. Zum Beispiel erläutert Meier, dass die Verwaltung aus verschiedenen rechtlichen Gründen nicht überall eine Wagenburg einrichten kann, etwa, weil die Flächen in Landschaftsschutzgebieten liegen.
Auch die im neuen Flächennutzungsplan ausgewiesene Fläche für "Experimentelles Wohnen" am Eselwinkel im Gewerbegebiet Nord sei keine Möglichkeit, Wagenburgen dauerhaft rechtlich zu etablieren. Baureferent Norbert Schröder-Klings berichtet, dass verwaltungsintern weiter nach einer langfristigen Lösung für die "Schattenparker" gesucht werde.
"Mich hat immer wieder überrascht, wie emotional die Debatte geführt wird" , sagt Patrick Augenstein : "Schließlich geht es letztendlich nur um einen Raum für eine alternative Wohnform."
Die Arbeit von Patrick Augenstein als pdf :
http://wagendorf.de/studien/augenstein/index.html